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Donnerstag, 16. Dezember 2010

"Zum Fressen gern"


"Mir schickte einmal ein kleiner Junge eine Karte mit einer bezaubernden Zeichnung darauf. Ich liebte sie. Briefe von Kindern pflege ich immer zu beantworten - manchmal sehr flüchtig -, aber diese Karte hatte es mir angetan. Ich zeichnete für ihren Urheber eigens eine Monsterkarte und schrieb: "Lieber Jim: Deine Karte fand ich klasse." Später schrieb mir seine Mutter zurück: "Jim freute sich so sehr über Ihre Karte, dass er sie aufass."
Das war für mich eines der grössten Komplimente, die ich je erhalten hatte. Ihm war völlig egal, dass es sich um eine echte Maurice-Sendak-Zeichnung handelte, oder was auch immer. Er sah es, war begeistert und ass es auf"

(Maurice Sendak aus: "Offen wie der Himmel, weit wie das Meer", von Jack Kornfield)

Sonntag, 12. Dezember 2010

Ich bin Columbin

Am Hofe gab es starke Leute und gescheite Leute, der König war ein König, die Frauen waren schön und die Männer mutig, der Pfarrer war fromm und die Küchenmagd fleissig - nur Columbin war nichts. Wenn jemand sagte: "Komm, Columbin, kämpf mit mir", sagte er: "Ich bin schwächer als du. Wenn jemand sagte: "Wie viel gibt gibt zwei mal sieben?", sagte Columbin: "Ich bin dümmer als du". Wenn jemand sagte: "Getraust du dich über den Bach zu springen?", sagte Columbin: "Nein, ich getraue mich nicht". Und wenn der König fragte: "Columbin, was willst du werden?", antwortete Columbin: "Ich will nichts werden, ich bin schon etwas: "Ich bin Columbin."

(Peter Bichsel, Kindergeschichten: "Amerika gibt es nicht")

In einem Interview sagte Peter Bichsel einmal: "Ich möchte selber jemand sein. Nicht einfach jemand sein, weil ich ein Schriftsteller bin."

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Die Verkündung


"Letzthin, im Zug, direkt neben dir, das elend-fröhliche Digitalpiepsen eines Handys, und du weisst, jetzt wirst du die Seite nicht in Ruhe zu Ende lesen können, du wirst mithören müssen, wo die Unterlagen im Büro gesucht werden sollten oder warum die Sitzung auf nächste Woche verschoben ist oder in welchem Restaurant man sich um 19 Uhr trifft, kurz, du bist auf die unüberhörbaren Schrecknisse des Alltags gefasst - und da kramt der junge Mann sein Apparätchen aus der Tasche, meldet sich und sagt dann laut: "Nein! - Wann? - Gestern Nacht? - Und was ist es? - Ein Bub? - So herzig! - 3 1/2 Kilo? - Und wie geht es Jeannette? - So schön! Sag ihr einen Gruss, gell! - Wie? - Oliver?. . ."
Und über uns alle, die wir in der Nähe sitzen und durch das Gespräch abgelenkt und gestört werden, huscht ein Schimmer von Rührung, denn soeben haben wir die uralte Botschaft vernommen, dass uns ein Kind geboren wurde."
(Franz Hohler, aus "Das Ende eines ganz normalen Tages", Luchterhand)

Freitag, 3. Dezember 2010

Liebesgeschichte mit Hund

Daniel Glattauer hat einen neuen Roman geschrieben: Der Weihnachtshund

Er erzählt in Form von 24 Kapiteln von Max, Katrin und dem Hund Kurt. Die Erzählung kann glatt als eine Art Adventskalender durchstarten. Sie ist in wohl dosierten, täglichen Abschnitten leicht und bekömmlich dargeboten.
Das Taschenbuch kostet Fr. 15.90

"Max will vor Weihnachten flüchten und auf die Malediven fliegen. Dabei ist ihm Kurt, sein Hund, im Weg. Kurt war leider eine Fehlinvestition. Er schläft meistens. Und wenn er sich bewegt, dann höchstens irrtümlich. Katrin wird demnächst dreissig, und leidet unter Eltern, die darunter leiden, dass sie noch keinen Mann fürs Leben gefunden hat. Mit Weihnachten kommt der Höhepunkt des familiären Leidens auf sie zu. Da tritt plötzlich Kurt in Erscheinung. Katrin mag zwar keine Hunde, aber Kurt bringt sie auf eine Idee ..."

Das steht auf dem Buchumschlag. Ich habe mir aber die Geschichte von Ulrike Grote und Peter Jordan im gleichnamigen Hörbuch erzählen lassen und mich sehr amüsiert.

Das erinnert mich an eine andere Liebesgeschichte, diejenige mit unsern zwei schon längst verstorbenen Hunden. Hier hatte sich Pica mit Fedor gezeichnet.